Telematik-Prinzip in der Hausratversicherung – macht das Sinn?

Telematik-Policen

Seit einiger Zeit gibt es Versicherungspolicen, die das Kundenverhalten digital auswerten, sogenannte Telematik-Tarife. In der Kfz-Versicherung zeichnet eine kleine Box das Fahrverhalten auf, das bei entsprechender Vorbildlichkeit zu einem Beitragsnachlass führt. Wer dagegen sportliche Aktivität nachweist – etwa mittels Fitnesstracker oder Fitnessstudio-Bescheinigung – kann seine Prämien zur Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung damit senken.

Nun auch in der Hausratversicherung?

Dieses Prinzip soll nun auch auf Hausratversicherungen übertragen werden, wenn auch zunächst in abgewandelter Form. Ein deutscher Direktversicherer hat mit der Google-Tochter Nest Labs kürzlich einen Kooperationsvertrag geschlossen. Nest Labs produziert selbst lernende Geräte wie Thermometer und Kameras, aber auch Rauchmelder. Wer künftig eine Hausratpolice bei dem Direktversicherer abschließt, kann die intelligenten, per Smartphone steuerbaren Rauchmelder für den halben Preis erwerben – immerhin wird die Wohnung durch ihre Anschaffung ja sicherer. Ein Schnäppchen sind sie allerdings nicht: 119 Euro beträgt der reguläre Preis pro Stück. Ob demnächst Nest-Labs-Geräte auch das Bewohnerverhalten auswerten werden, um Beitragsrabatte zu ermöglichen, steht laut Versichererangaben noch nicht fest.

Machen Telematik Tarife Sinn?

In Abwägung der Preisgabe der persönlichen und oftmals sehr intimen Daten, kann ich für meine Mandanten keinen Mehrwert feststellen. Im Bereich der KFZ Versicherungen halten sich die Nachläße in Grenzen. Bei Kranken- und oder Berufsunfähigkeitsversicherungen geht man einen Überwachungsvertrag über sehr viele Jahre ein, ohne vorher genau zu wissen, was letztendlich mit diesen Daten passieren wird und wer diese noch künftig verwenden wird. Hier kann ich aus Datenschutzgründen nur streng davon abraten.

Im Bereich der Hausratversicherung nimmt dieses weitere Züge des Prinzips „Big Brother is watching you“ ein. Für so geringe Beitragsvorteile seine persönlichen Privatsphäre aufzugeben, kann ich definitiv nicht anraten, vor allem in der Hinsicht, dass oftmals recht teure Versicherer diese Überwachungen anbieten und bei einem Wechsel zu einem günstigeren und nicht selten besseren Versicherer, man ohne Überwachung trotzdem günstiger fährt.

Eine einmal aufgegebene Privatsphäre wieder herzustellen, halte ich für sehr schwierig, da die schon gewonnen Daten nicht einfach so weg sein werden. Daher, Finger weg von solchen Tarifen, wenn einem die persönliche Freiheit wichtig ist.

Christophe Miege

Nach ersten Jahren als Ein-Firmen-Vertreter für die DBV-Winterthur (AXA nach Übernahme), danach der Wechsel vor fast zehn Jahren in den Status als freier Versicherungsmakler.
Der Beruf wurde zur Berufung. Das Ziel ist ein positives Beispiel in der Branche zu sein. Mandanten und Interessenten unabhängig, fair und verständlich zu beraten und zu betreuen.

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