Wohngebäudeversicherung – Urteil hinsichtlich grober Fahrlässigkeit

Veröffentlicht von Christophe Miege am

Grobe Fahrlässigkeit in der Wohngebäudeversicherung kann schneller geschehen, als man oftmals so denkt. Hierzu ein kleines Beispiel, was hin und wieder so vor deutschen Gerichten entschieden wird.

Was ist passiert?

Auf Grund von Renovierungsarbeiten im Dachgeschoss hat das Ehepaar Gegenstände im Keller eingelagert. Da im Keller kein weiterer Platz vorhanden war, wurden weitere Gegenstände in der zu dem Zeitpunkt nicht in Benutzungen stehenden Sauna eingelagert. Hierzu schaltete die Hauseigentümerin, welche sich nicht mit der Bedienung der Sauna auskannte, das Licht der Sauna ein. Dieser Drehschalter schaltete bei weiterdrehen jedoch auch den Saunaofen ein. Durch eine weitere Drehung an der Rasterung schaltete sich zwar das Licht aus, der Saunaofen blieb jedoch in Betrieb. Durch den hieraus entstandenen Brand wurde ein erheblicher Schaden am Haus des Ehepaares verursacht.

Die Eigentümerin klagte gegen die Versicherung auf Erstattung der vollen Leistung ohne Abzug des Anteils der groben Fahrlässigkeit. Insgesamt wurde die Leistung um 15% gekürzt und sich auf teilweise Leistungsfreiheit berufen.

Wie wurde geurteilt?

Die Eigentümerin berief sich darauf, nicht mit der Funktionsweise des Schalters vertraut gewesen zu sein. Dieses wurde vom Gericht jedoch nicht als Entschuldigungsgrund angenommen, da die Eigentümerin leicht brennbares Material in die Sauna eingelagert hat, sowie der Drehschalter eindeutig beschriftet war, so dass die Eigentümerin sich leicht hätte informieren können. Daher wurde eine Pflichtverletzung festgestellt, welche das gewöhnliche Maß (leichte Fahrlässigkeit) erheblich übersteigt (grobe Fahrlässigkeit).

Ist die Vorgehensweise rechtens?

Ja. In vielen Wohngebäudeversicherungen wird nicht oder nur teilweise auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verzichtet. Wie die Eigentümerin gehandelt hat, ist auch nach subjektiven persönlichen Empfinden als grob fahrlässig zu sehen.

Nachdem mit Beginn 2009 der §81 VVG geändert, auch für bestehende Altverträge, die Quotelung bei grob fahrlässiger Handlung eingeführt wurde, kommt die Eigentümerin sogar besser davon, als wenn der Schaden fünf Jahre vorher eingetreten wäre – hier hätte es sogar passieren können, dass sie keinerlei Entschädigung erhalten hätte.

Welche Konsequenzen sollte man hieraus ziehen?

Ganz einfach. Suchen Sie sich einen Versicherer, der zu 100% auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verzichtet – ohne Wenn und Aber. Die grobe Fahrlässigkeit in der Wohngebäudeversicherung sollte als mögliche Streitursache in heutigen modernen Tarifen ausgeschlossen sein. Dieses ist ein Fall, es gibt so viele andere denkbare Fälle, wo durch grob Fahrlässiges Handeln (dieses ist noch kein Vorsatz) ein erheblicher Schaden entstehen kann, so dass bei solch erheblichen Vermögensgegenständen eine sehr gute Wohngebäudeversicherung (muss nicht teuer sein) bestehen sollte.

Weitere Folgen

Es ist davon auszugehen, dass die Eigentümerin in dem Fall eine Rechtsschutzversicherung hatte. Die aus diesem Verfahren entstandenen kosten dürften sich auf mindestens 9500 Euro belaufen, sofern Gutachter und Sachverständige hinzu kommen, noch erheblich höher. Hieran sieht man, wenn es um finanziell wichtige Risiken geht, wird es in aller Regel auch vor Gericht sehr teuer, so dass man ohne Rechtsschutzversicherung nicht ohne Probleme sein Recht wahrnehmen kann.

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Christophe Miege

In den ersten Jahren in der Funktion als Bezirksleiter für die DBV-Winterthur (AXA nach Übernahme) tätig, in 2008 der Wechsel in den Status des freien Versicherungsmaklers. Der Beruf wurde zur Berufung. Das Ziel war und ist ein positives Beispiel in der Branche zu sein. Mandanten und Interessenten in Ostwestfalen unabhängig, fair und verständlich zu beraten und dauerhaft zu betreuen. Im Schadensfall an Ihrer Seite zu stehen, bei Vertragsfragen immer kompetent unterstützen zu können. Nicht durch einen Anzug zu blenden, sondern nur durch Fachwissen, Können und Erfahrung zu strahlen. Schwerpunkte, auch wenn es ja eigentlich nur einen Schwerpunkt geben kann, ist einmal der Themenbereich "Wert der eigenen Arbeitskraft" mit der Berufsunfähigkeitsversicherung und ihren Alternativen, sowie der Bereich der privaten und gewerblichen Sachversicherung, mit der Spezialität der Gebäudeversicherungen, seien es Fachwerkhäuser, Denkmalschutz oder gewerbliche Objekte mit erheblichen Brandlasten. Gerne bin ich für Sie auch persönlich ansprechbar, entweder in einem der beiden Büros in Hille oder Petershagen, alternativ auch gerne bei Ihnen, sofern Sie in Lübbecke, Minden, Espelkamp, Rahden, Bad Oeynhausen, Porta Westfalica oder Umgebung wohnen. P.S. Und für alle, die Blender suchen - schauen Sie dann ruhig mal bei LVM, Allianz und Co vorbei. ;-)

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